Marxistische Herbstschule 2025
Schule des Kommunismus
7. – 9. November in Bern
Der senile Zerfall des Kapitalismus greift um sich. Die Anzahl der Kriege ist auf dem höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Hunger, Elend und Armut herrschen selbst in den reichsten Ländern. Die herrschende Klasse zieht die Menschheit in ihrer Jagd nach Profiten in den Abgrund. Es braucht eine Revolution.
Verzweiflung, Unmut und ein brennender Hass auf alle Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft machen sich breit. Aber Wut reicht nicht. Sie muss geschärft werden durch Theorie und Strategie. Würde Wut alleine reichen, um den Kapitalismus zu stürzen, so wäre dieser längst Geschichte. Wir müssen die Welt verstehen, um sie zu verändern.
Aus diesem Grund veranstalten wir von der RKP die Marxistische Herbstschule 2025: die Schule des Kommunismus. Wir bilden eine nächste Generation an Revolutionären aus in den mächtigsten Ideen, die es gibt – in den Ideen des revolutionären Marxismus.
Die Schule beginnt am Freitagabend um 18:00 Uhr und endet am Sonntagabend um 19 Uhr.

Programm
Freitag 07.11 | 18:30 – 22:00
Perspektiven der Weltrevolution
Lenin hat einmal gesagt: Es gibt Jahre, in denen nichts passiert, und es gibt Tage, in denen die Entwicklungen von Jahren und Jahrzehnten komprimiert sind. Genau so eine Periode durchleben wir heute. Scharfe und schroffe Wendungen sind an der Tagesordnung. Die herrschende Klasse, und in ihrem Schlepptau die ganze “Linke”, gleichen kopflosen Hühnern und verlieren sich in Panik und Pessimismus. Als Marxisten hingegen verstehen wir die Logik im Chaos – die Todeskrise des kapitalistischen Systems, den Zusammenbruch der alten US-dominierten Weltordnung, und nicht zuletzt die Vorbereitung einer mächtigen neuen Welle des Klassenkampfs gegen dieses verfaulte System.
Leseliste
Samstag 08.11 | 09:00 – 11:45
Was ist Kapitalismus? Einführung in die marxistische Ökonomie
Ausbeutung – ein Begriff, den alle schon gehört haben, viele verwenden, aber nur wenige tatsächlich verstehen. In der marxistischen Theorie ist Ausbeutung kein moralischer Begriff, der die Missstände besonders prekärer Arbeitsverhältnisse anprangert. Nein, Ausbeutung ist ein soziales Verhältnis zwischen Kapitalisten und Lohnabhängigen – und bildet den Kern der kapitalistischen Produktionsweise. Deren ökonomische Grundgesetze hat Marx Methode entschlüsselt. Mehrwert, Profit, Arbeit, Arbeitskraft, Produktivität, Überproduktionskrise – ein klares Verständnis dieser Konzepte gehört zum Grundrepertoire aller Revolutionäre.
Leseliste
Das revolutionäre Pulverfass auf dem Balkan: Jugoslawien
Für die Imperialisten ist der Balkan ein Spielball – aber auch ein Pulverfass. Die Massen kämpften immer heroisch gegen die Ausplünderung, Versklavung und die faschistische Besatzung. Darum hält der Balkan, insbesondere Jugoslawien, wichtige Lektionen für uns revolutionäre Kommunisten bereit – vom Kampf gegen den Feudalismus und den Faschismus, über den Partisanenkampf und den Stalinismus bis hin zur kapitalistischen Restauration, verbunden mit der Rückkehr der nationalen Frage. In diesem Workshop diskutieren wir die Geschichte Jugoslawiens, um zu verstehen, wie sich die Arbeiterklasse der Region heute befreien kann.
Leseliste:
Imperialismus und die nationale Frage: Wie kann Palästina frei sein?
Seit nun zwei Jahren begeht Israel mit volller Untersützung von allen westlichen Regierungen einen Völkermord in Gaza. In der Arbeiterklasse und Jugend sind Millionen über Israels Verbrechen empört und fragen sich, was sie tun können, um die brutale Unterdrückung des palästinensischen Volkes zu beenden. In diesem Workshop diskutieren wir, wie der Imperialismus geschlagen werden kann und was der Ausweg für Palästina aus 77 Jahren Unterdrückung ist.
Leseliste:
- Palästina: die kommunistische Alternative zur Zweistaatenlösung
- Nieder mit der Heuchelei! Für die Verteidigung von Gaza! – Statement der IMT (heute RCI)
- Antisemitismus und Antizionismus – eine Klarstellung
- Geschichte Israel-Palästinas Teil 1: Die „Judenfrage“ und die Auswirkungen der zionistischen Kolonialisierung im britischen Mandatsgebiet Palästina
- Geschichte Israel-Palästinas Teil 2: Von der Nakba zur Intifada und den Oslo-Abkommen
- Dritte Internationale: Leitsätze über die Nationalitäten- und Kolonialfrage
Samstag 08.11 | 13:00 – 15:15
Lenin vs. Stalin: Verteidigung der Oktoberrevolution
Die Russische Revolution von 1917 ist bis heute das wichtigste Ereignis der Geschichte, weil die Arbeiterklasse zum ersten Mal in der Geschichte die Macht übernommen hat. Das war ein Lichtblick für die Unterdrückten der Welt. Doch 15 Jahre später war Stalin an der Macht und von der Arbeiterdemokraie ist nichts übriggeblieben. Die alten Revolutionäre waren im Gefängnis, im Exil oder unter der Erde.
Bürgerliche behaupten, Kommunismus sei unmöglich und führe unweigerlich in die Diktatur. Indem sie Lenin und Stalin gleichsetzen, wollen sie allen, die heute nach einem Ausweg aus dem Horror des Kapitalismus suchen, die wertvollsten Waffen wegnehmen: die Erfahrungen von Lenin und den Bolschewiki.
Wie konnten die Arbeiter die Kapitalisten stürzen und was war Lenins Rolle? Warum ist die Revolution degeneriert und wie konnte Stalin an die Macht kommen?
Leseliste:
Trump, Faschist, Diktator? Das Perspektivenproblem der Linken
In der (Schweizer) Linken dominiert die Sichtweise, dass wir in einer Epoche der Reaktion leben. Das wird ersichtlich bei der Behandlung Trumps. Weil die Arbeiterklasse per se als schwach abgetan wird, verschreibt sich die Linke einer Verteidigung des Status quo, insbesondere der Demokratie. Damit manövriert sich die Linke in das bürgerliche Lager und zwar genau im Moment, als dieses verwundbar wird. Das gilt es richtigzustellen um eine korrekte revolutionäre Strategie zu entwickeln.
Leseliste:
Aus unserer Geschichte lernen: die Kommunistische Partei der Schweiz in den 1920er Jahren
Die revolutionäre Periode der 1910er und 1920er Jahre prägte auch die Schweiz. Lokale und kantonale Generalstreiks entbrannten bis hin zum Landesstreik 1918, mehrfach wurde die Armee gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. In diesem Kontext entstand die kommunistische Partei der Schweiz (KPS), die grösste Partei, die die Schweiz je sah, die versuchte sich konsequent auf die Ideen des Marxismus zu stellen. Ihre Geschichte ist von Anfang bis Ende eng mit derjenigen der Kommunistischen Internationale (Komintern) verbunden. Inflation, imperialistische Spannungen, Militarisierung, Streiks, revolutionäre Bewegungen in Europa und mittendrin der Aufbau einer revolutionären Kraft, im Rahmen einer kommunistischen Internationale. Die Zeit der 1920er Jahre in der Schweiz und die Geschichte der KPS sind voll von Lektionen, die sich die Kommunisten von heute aneignen müssen. Genau das werden wir in diesem Workshop tun!
Leseliste:
- Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)
- Wie die Komintern und ihre Parteien aufgebaut wurden (Engl.)
- Leitsätze über die Bedingungen der Aufnahme in die Kommunistische Internationale. (21 Bedingungen)
- Die Kommunistische Internationale: Lehren für die Schweizer Jugend
- Russland und die Schweiz: Von Zimmerwald nach Olten
- Ist die Revolution in der Schweiz heute möglich?
Samstag 08.11 | 16:00 – 19:00
Die Dialektik: Die mächtigste Waffe der Kommunisten
Hinter jeder politischen Bewegung, Partei und sogar Aussage steht eine Weltanschauung. Wer seine Philosophie nicht bewusst wählt und anwendet, endet zwingendermassen in den vorherrschenden Ideen – den Ideen der herrschenden Klasse. Der Marxismus nimmt die Realität, wie sie tatsächlich ist, in ihrer Totalität und in ihrer Bewegung. Damit ist die marxistische Methode, die Dialektik, die mächtigste Waffe der Kommunisten – und für die Arbeiterklasse, die für das Ende der Klassengesellschaft, aller Unterdrückung und damit auch aller Vorurteile und Illusionen kämpft.
Leseliste:
Sonntag 09.11 | 09:00 – 11:45
Venezuela: Reform oder Revolution?
Die Frage von Reform oder Revolution ist zentral für alle Kommunisten – die Geschichte liefert die entscheidenden Lehren dazu. Darum tauchen wir in das Beispiel Venezuelas ein. Unter Hugo Chávez erhob sich das Volk gegen den Imperialismus und kämpfte ehrlich für bessere Lebensbedingungen der Arbeiter und Bauern, stiess jedoch auf den erbitterten Widerstand der Oligarchie. Diese Revolution zeigt zugleich die Sabotage der herrschenden Klasse, die Kraft der Arbeiterklasse, ihr entgegenzutreten, aber auch die Grenzen des Reformismus – und die harten Folgen, wenn eine Revolution nur halb vollendet wird.
Leseliste:
Ist die Schweiz neutral?
Der Niedergang des Bankenplatzes und des Bankgeheimnisses, die neutralitätspolitische Kehrtwende im Ukrainekrieg, wachsende Spannungen im Verhältnis mit der EU und oben drauf Trump’s Zollkeule – der Platz der Schweiz auf dem internationalen Parkett wird in Frage gestellt. In der neuen Ära geopolitischer Neuordnung, Blockbildung und Protektionismus beweist sich das alte Modell der «Neutralität» als obsolet. Um zu verstehen, was gerade endet, müssen wir verstehen, wie es entstanden ist. Was ist die Geschichte und die wirkliche Politik hinter der «Schweizer Neutralität»? Was waren die «Asse» der Schweiz? Die marxistische Antwort auf diese Frage verdeutlicht, dass der Niedergang des Schweizer Imperialismus nicht erst gestern begonnen hat, sich heute schnell vertieft und bereits morgen den offenen Klassenkampf in der Schweiz auf die Tagesordnung setzen kann. Darauf müssen wir uns vorbereiten.
Leseliste:
- Reader «Schweizer Imperialismus und Neutralität – RKP»
- Lenin: der Schutz der Neutralität
- Die Schweiz im Abseits: Die Krise der Neutralität
- Ukraine: Imperialismus und Sackgasse der Schweizer Neutralität
- (Frazösisch) Ursprünge, Interpretation und Gebrauch der «helvetischen Neutralität»
- H. U. Jost: Mythen über die Neutralität (Sonntagszeitung)
- H. U. Jost: Die Neutralität – gedehnt, relativiert oder verletzt
Dialektik der Natur: Marxismus und moderne Wissenschaft
Der Marxismus ist allmächtig, weil er wahr ist. Ein Beweis für seine Wahrheit ist die gesamte Natur, vom Atom zur Galaxie, vom Bakterium zum Menschen. Denn Quantenphysik und Relativitätstheorie, Evolutionsbiologie und Genetik zeigen, dass nichts ewig ist. Stattdessen befindet sich die Natur in ständiger Bewegung und Veränderung — Veränderung, die sich sprunghaft und explosionsartig, also revolutionär, durchsetzt. Ein Verständnis der Entwicklung der Natur, mitsamt ihren Revolutionen, schärft unser Verständnis des Marxismus und rüstet uns so für den Kampf für den Kommunismus.
Leseliste:
Sonntag 09.11 | 13:00 – 15:30
Goethes Faust: Was die Welt im Innersten zusammenhält
Grosse Kunstwerke haben die Menschheit seit jeher inspiriert. Denn sie sind viel mehr als “nur” ein Spiegel ihrer Zeit: Sie enthüllen tiefere Wahrheiten über das menschliche Dasein. Goethes wichtigstes Werk beginnt mit dem mittelalterlichen Gelehrten Faust, der nach Jahren des trockenen Studiums frustriert erkennt; “da steh ich nun ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor”. Faust geht einen Pakt mit dem Teufel ein, um endlich zu verstehen “was die Welt im Innersten zusammenhält”. In der Odyssee dieser zwei ungleichen Gefährten zeigt uns Goethe das ganze “reiche, bunte und höchst vielgestaltige Leben”. Dieses Meisterwerk der Dialektik ist eine Schatzkiste für alle Kommunisten und ein echtes Erlebnis mit seiner Sprachkunst, Symbolik und viel Humor.
Leseliste:
Die bürgerliche Revolution in der Schweiz
Wie kam die Bourgeoisie in der Schweiz an die Macht? Der Klassenkampf ist der Motor der Geschichte – auch in der Schweiz. Wir schauen mit der Methode des Historischen Materialismus auf die turbulente Periode zwischen 1798 und 1848 – von Napoleons Einmarsch bis zur Gründung des Bundesstaats. Es war ein offener Kampf zwischen der aufstrebenden Bourgeoisie und der alten Aristokratie, zwischen Fortschritt und Reaktion. Der heutige Staat ist das Produkt davon: ein Werkzeug der Kapitalistenklasse, um ihre ökonomischen Interessen durchzusetzen.
Leseliste:
- Manifest der Kommunistischen Partei
- Engels – «Der Schweizer Bürgerkrieg» & «Die Bewegungen von 1847» (Teil 1)
- Historisches Lexikon der Schweiz – Geschichtsübersicht
- Engels – Artikelserie über die Schweiz (Teil 2)
Sonntag 09.11 | 16:00 – 17:00
